Wie du den richtigen Geburtsort wählst

Zu den wichtigsten Entscheidungen während deiner Schwangerschaft gehört die Frage, wo dein Baby geboren werden soll. Dieser Schritt bestimmt darüber – wie dein Baby geboren wird, wer bei der Geburt anwesend sein wird, welche Möglichkeiten du während der Wellen (Wehen) hast, und welches Gefühl du in den ersten Stunden und Tagen danach empfinden wirst. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick über alle Geburtsorte, die hoffentlich deinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. 

Oft haben wir eine unterbewusste Vorstellung davon, wie eine Geburt “aussehen sollte” – durch z. B. Filme, Fernsehsendungen oder Geburtsgeschichten, die wir von Freunden und Familie gehört haben. Es ist unglaublich wertvoll, diese Vorstellungen und Bilder einer Geburt infrage zu stellen, und nach andere Möglichkeiten zu suchen, die dir zur Verfügung stehen. Bevor wir in die Tiefe gehen – lass uns mit der goldenen Regel beginnen:  Es gibt keine richtige oder falsche EntscheidungJede Entscheidung, die du für dich selbst triffst, wird die Richtige sein. Aber da wir alle einzigartig sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben, ist es wichtig, informiert zu sein und die Vor- und Nachteile jeder Option zu kennen, bevor du die Entscheidung triffst. 

Die mentale und körperliche Geburtsvorbereitung

Bevor wir zu den einzelnen Optionen übergehen, solltest du dir bewusst machen, wie wichtig eine mentale und körperliche Vorbereitung ist. Das gilt nicht nur für deine Schwangerschaft und die Geburt, sondern für alle Lebensabschnitte und Momente in deinem Leben, die mit persönlichen Herausforderungen verbunden sind. Je stärker dein Geist und deine Selbstsicherheit, desto besser bist du gegen äussere Einflüsse gewappnet. Hypnobirthing ist zum Beispiel genau das richtige für dich, wenn du eine positive, angstfreie, sanfte, schmerzarme und vor allem entspannte Geburt erleben möchtest. Obwohl dem Begriff “Hypnose” etwas Mystisches anhängt, wirst du schnell feststellen, dass es sich hierbei nicht um eine esoterische oder spirituelle Theorie handelt. Die Techniken sind solide, praktisch und mit dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar. Hypnobirthing ist eine mentale Geburtsvorbereitung, die … 

  • Dir Selbstvertrauen in deine eigenen Stärken & deinen eigenen Körper gibt,
  • Dir handfestes & logisches Wissen für die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett schenkt, und 
  • Dir ein positives Geburtserlebnis bereiten wird. 

Der englische Begriff wurde durch die US-amerikanische Pädagogin Marie Mongan geprägt, die in den 80er Jahren, die sogenannte HypnoBirthing-Methode entwickelte. Nach ihren Erkenntnissen und neuesten Studien ist eine sanftere, entspannte und natürliche Geburt für jede Frau möglich – auch wenn ein Kaiserschnitt bevorsteht. Jedoch entscheidet diese Methode natürlich nicht über deinen Geburtsort, sondern trägt ausschliesslich dazu bei, dass du deinen Körper besser verstehst und dich jederzeit und überall entspannen kannst, um eine positive Geburt zu erleben. Wenn du mehr über mein Verständnis von Hypnobirthing erfahren möchtest, kannst du hier weiterlesen. Wenn du weisst, was dein Körper während der Schwangerschaft und der Geburt braucht, kannst du dein Baby überall mit Sicherheit gebären.

Verstehe deinen Körper

Die Wellen (Wehen, Kontraktionen), die den Geburtsbeginn einleiten, können zunächst ein krampfartiges Ziehen sein (ähnlich der Periode) die im Bauch, im Rückenbereich oder in den Oberschenkeln spürbar sind. Später können sich die Wellen wie ein Gürtel anfühlen, der immer enger wird und sich dann wieder lockert. Diese Wellen sind nichts anderes als Muskelarbeit – die Muskeln ziehen sich hoch, und entspannen sich wieder. Durch das Aufziehen (oder Zusammenziehen) der Muskeln, wird der Muttermund geöffnet. Deshalb werden sie auch «geburtsaktive Wehen» genannt. Sobald die Geburt begonnen hat, gilt es, dein «parasympathische Nervensystem» (PSNS) freizuhalten. Dieses Nervensystem ist nur dann aktiv, wenn du mental ruhig und entspannt bist. Dank des PSNS wird die Produktion von «Oxytocin» – das Hormon der Liebe und des Wohlbefindens, in deinem Körper angekurbelt. Das sogenannte “Kuschelhormon” wird produziert, wenn du dich glücklich und sicher fühlst, oder wenn du dich jemandem körperlich nahe fühlst oder es bist. Ausserdem wirkt Oxytocin förderlich auf Wehen und die Geburt selbst, da es die Gebärmuttermuskeln dazu bringt, sich zusammenzuziehen und somit den Muttermund zu öffnen. 

Wer hätte gedacht, dass das Hormon, durch das wir uns grossartig fühlen, uns auch dabei hilft Babys zu gebären, richtig? Daher ist es so wichtig für dich, zu lernen, wie du diesen Zustand erreichen kannst und wie du während der Wehen in einem «parasympathischen Zustand» bleiben kannst. 

Die Kehrseite des parasympathischen Nervensystems ist sein Antagonist, das sogenannte «sympathische Nervensystem» (SNS). Dieses System wird aktiviert, wenn du dich bedroht oder gestresst fühlst. Es fungiert als eine “Notfalleinheit” und existiert in uns Menschen seit Beginn der Evolution. Wenn wir einer wirklichen Bedrohung ausgesetzt sind (z. B. einem Säbelzahntiger oder einem komplizierten Chef) lässt uns dieses Nervensystem auf eine Weise funktionieren, wie wir es sonst nicht könnten. Heisst, das SNS aktiviert unsere «Kampf-oder-Fluchtreaktion», indem es Blut in die Arme und Beine schickt und unseren Körper mit Adrenalin, Katecholamine (Stresshormone) überschwemmt. Plötzlich sind wir in der Lage, schneller zu rennen, auf einen hohen Baum zu klettern, unser Leben vor Bedrohungen zu retten, oder die ganze Nacht zu arbeiten. 

Was haben diese Systeme mit deiner Geburt zu tun? 

Wenn du dich nicht sicher, bequem oder entspannt fühlst, wird dein parasympathisches Nervensystem nicht ganz so reibungslos funktionieren. Stattdessen können selbst die kleinste Beeinträchtigung deine “Kampf-oder-Fluchtreaktionen” auslösen (z. B. wenn du dich vernachlässigt fühlst, den Herzschlag deines Babys hörst, oder keine Zeit findest, um auf die Bedürfnisse deines Körpers einzugehen). Mit anderen Worten: Dein Körper zieht es vor, dich vor der wahrgenommenen Bedrohung zu retten, anstatt dein Baby zu gebären. Während dein Körper und dein Geist in einen Stresszustand geraten, fühlt sich auch deine Gebärmutter vernachlässigt und wird aufgrund von Blut- und Sauerstoffmangel nicht mehr so gut funktionieren. Hört sich nicht nach einem idealen Zustand an, um dein Kind zu gebären, oder?

Beruhige Geist und Seele

Damit die Wellen beginnen und anhalten können, muss sich dein Körper in einem Zustand absoluter Ruhe und Glückseligkeit befinden – nicht unbedingt aus physischer Sicht, sondern eher in Hinblick auf deinen mentalen Zustand. Das heisst, du kannst dich ausgeruht fühlen und dich körperlich um dich selbst kümmern, aber wenn du dich gestresst fühlst, können deine Wellen “aus dem Rhythmus” geraten und komplizierter werden. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du in einen kontinuierlichen Zustand tiefer Ruhe und Entspannung fällst und dich von allen Ängsten befreist, die du möglicherweise gegenüber deiner Schwangerschaft oder der Geburt hast. Mit der Wahl des Geburtsortes setzt du den richtigen Schritt in eine entspannte Richtung und trägst im Wesentlichen dazu bei, dein perfektes Nest zu bauen. Nest – ja, du hast richtig gelesen. Wir sind Säugetiere und haben bei der Geburt die gleichen Bedürfnisse, wie jedes andere Lebewesen. Wir wollen uns sicher, geborgen und wohlfühlen, und wie auch andere Säugetiere, wollen wir nicht von Raubtieren oder Rivalen gestört werden. Auch dein innerer Wunsch ist es, dein Baby in einer ruhigen und sicheren Umgebung auf die Welt bringen. 

Welche Faktoren sind bei der Wahl des Geburtsortes entscheidend, und welche Optionen hast du?

Vergiss deinen ursprünglichen Plan für einen Moment, ziehe alle Optionen in deiner Gegend in Betracht und berücksichtige folgende Faktoren:

  • Berechne etwa 30 Minuten Fahrzeit von Tür zu Tür (abhängig von der Tageszeit).
  • Schliesse keine der Optionen aus, bevor du dich nach Informationen erkundigst. 
  • Besuche eine Informationsveranstaltung, um mehr Erfahrungen zu sammeln und dich mit anderen werdenden Mamas auszutauschen. 
  • Wirf einen Blick auf die Website und in die Social-Media-Kanäle der Anbieter.
  • Suche Kontakt mit den Verantwortlichen und organisiere ein kurzes Gespräch. 
  • Nimm negatives Feedback nicht zu ernst, es sei denn, das Negative überwiegt das Positive. 
  • Sei offen für Neues und halte dich nicht an traditionelle Werte.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Es ist dein Baby und deine Geburt, die du nach deinen Bedingungen navigieren kannst!

Wähle deinen Geburtsort

Erinnere Dich daran, dass jedes Baby und jede Geburt einzigartig und anders ist. Der Ort sollte sich richtig und positiv anfühlen, und du solltest das Gefühl haben, dass du dem Ort und den Menschen um dich herum vertrauen kannst. Die folgende Übersicht gibt dir eine Einführung in die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geburtsorte.

Die Geburt im Spital/Krankenhaus/der Klinik

Viele Frauen entscheiden sich für eine Spital bzw. Krankenhausgeburt. Was bedeutet, dass eine Geburt auf der Entbindungsstation eines grösseren kantonalen Spitals / Krankenhauses oder eines kleinen Regionalspitals / Kreiskrankenhauses stattfindet. Beachte dabei, dass einige Einrichtungen auch privat sein können. 

  • Eine Spital bzw. Krankenhausgeburt bedeutet nicht, dass du zusammen mit anderen Frauen gebären musst.
  • Es ist höchst unwahrscheinlich, dass du in irgendeinem Stadium deiner Geburt, dein Zimmer mit jemandem teilen musst. Sofern die Geburt etwas fortgeschritten ist (z. B. die Wellen haben begonnen und du begibst dich nach deinem Gefühl zum richtigen Zeitpunkt in die Gebärabteilung des Krankenhauses), wirst du in dein eigenes Zimmer verlegt. 
  • Zum Zeitpunkt deiner Aufnahme wird dir eine Hebamme zugewiesen, es sei denn, du hast dich für eine private Hebamme (Beleghebamme) entschieden. Wenn du in deiner Schwangerschaft aufgrund höherer Risiken eine zusätzliche Überwachung benötigst, kannst du dich von einer medizinischen Hilfe (z. B. Hebamme, GynäkologIn) begleiten lassen. 
  • Sofern du keine Doula oder eine private Hebamme (Beleghebamme) hast, kannst du dir sicher sein, dass es völlig normal ist, dass die Hebamme jede (halbe) Stunde nach dir sieht. Die gesamte Geburt wird sie nicht bei dir bleiben, da Hebammen oft mehr als eine Frau gleichzeitig betreuen.
  • Deshalb ist es umso wichtiger, sich allein oder mit deinem Partner/Partnerin/Doula auf die Geburt vorzubereiten. 
  • Bei der Geburtsphase/Endphase der Geburt ist immer mindestens ein Arzt/eine Ärztin im Raum anwesend. Möglicherweise auch lernende Hebammen – es sei denn, du notierst auf deine Geburtswunschliste etwas anderes.

Zu den Vorteilen einer Krankenhausgeburt gehört der direkte Zugang zu GeburtshelferInnen und NeonatologIn, falls dies erforderlich sein sollte. Ausserdem stehen dir alle Möglichkeiten der Schmerzlinderung zur Verfügung – das kann von natürlichen oder alternativen Methoden der Schmerzbehandlung (z. B. Akupunktur oder pflanzlichen Mitteln) bis hin zu Gas und Luft, Opioiden und Epiduralanästhesie reichen. Mit all diesen Optionen fühlen sich manche einige Frauen sicher – andere wiederum gar nicht.

Zu den Nachteilen einer Spital bzw. Krankenhausgeburt gehört die ungewohnte Umgebung.  Geburtsstationen wollen zwar vertraut und einladend wirken, gehören aber zum Spital / Krankenhaus und hinterlassen daher einen stark medizinischen Eindruck. Auch kann es sehr beschäftigt und laut sein. Für die Hebammen ist der Alltag auf der Station stressig, obwohl sie hervorragend verbergen können, wie beschäftigt sie wirklich sind. Aufgrund dessen haben diese guten Feen nicht immer ausreichend Zeit, um sich mit jeder gebärenden Mutter zu beschäftigen. Das kann dazu führen, dass die Schmerzlinderung etwas länger dauern kann als erwartet. Auch gibt es Frauen, die ungern von Hebammen betreut werden wollen, die sie überhaupt nicht kennen, andere wiederum stört das überhaupt nicht (ein wirklich sehr individueller Aspekt der Krankenhausgeburt). Zudem halten sich Spitäler / Krankenhäuser an einen sehr strengen Zeitrahmen und Protokolle (z. B. in Bezug auf das Fortschreiten der Wehen und die Überwachung des Säuglings). Daher ist es gut, dies während der Geburt zu bedenken und die entsprechenden Fragen zu stellen – schliesslich haben nicht alle Krankenhäuser ein Geburtsbecken in jedem Zimmer, sodass die Geburt im Wasser nach dem Prinzip «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» erfolgt. Abhängig von dem Spital bzw. Krankenhaus, für das du dich entscheidest, fallen die hier aufgeführte Vor- und Nachteile unterschiedlich aus und geben dir Grund genug Informationsabende und/oder Orientierungswochenenden wahrzunehmen.

Die Geburt im Geburtshaus oder Geburtszentrum

Geburtszentren können völlig getrennt von einem Krankenhaus oder in der Nähe oder auf dem Gelände eines Spitals / Krankenhauses agieren. Meist werden sie von Hebammen geleitet, weswegen diese Einrichtungen eine grossartige Alternative zu einer Hausgeburt darstellen – besonders dann, wenn du dein erstes Kind erwartest. 

Zu den Vorteilen von Geburtszentren gehört, dass sie weniger medizinisch ausgerichtet sind, was sich im Gegensatz zu Spitälern / Krankenhäusern, angenehmer anfühlen kann. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Geburt durch eine Hebamme unterstützt wird, die du bereits kennst (da du dich bereits zuvor mit der Einrichtung und dem Hebammen-Team vertraut machen kannst). Statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit eines medizinischen Eingriffs in diesen Einrichtungen geringer, als bei Frauen, die in einem Krankenhaus entbinden. 

Ein Nachteil von Geburtszentren kann die Zeit sein, die eine Verlegung in ein Krankenhaus in Anspruch nehmen würde, sollte dies notwendig sein. Hier kann eine Beratung mit einer Hebamme dem Entscheidungsprozess wirklich zugutekommen, da sowohl Geburtszentren als auch Hausgeburten genauso sicher sind wie Spital- bzw. Krankenhausgeburten. Sollte es zu einer Verlegung kommen, wird die Hebamme diese Entscheidung treffen und darauf bestehen, lange bevor es zu ernsthaften Komplikationen für dich oder dein Baby kommt. Es gibt einige Frauen, die in letzter Minute einen Wechsel ins Spital / Krankenhaus wünschen, weil der Zugang zu Schmerzmitteln (wie Opioide oder PDA) fehlt. Sei dir bewusst, dass viele Geburtszentren oft alternative oder pflanzliche Schmerzlinderungen, rezeptfreie Schmerzmittel sowie Gas und Luft anbieten. Auch hierzu solltest du dich im Vorfeld beraten lassen. 

Die Hausgeburt

Wenn du bereits eine unkomplizierte Schwangerschaft hattest bzw. bereits viel Vertrauen in deine Schwangerschaft und deinen Körper hast, empfiehlt sich eine Hausgeburt. Einzige Voraussetzung dafür ist eine private Hebamme/Beleghebamme (und wenn du magst eine Doula), der du vertraust und die regelmässige Kontrolluntersuchungen (evtl. bei dir zu Hause) durchgeführt hat. 

  • Alle privaten Hebammen haben einen “Back-up”, sollte deine Hebamme nicht bei deiner Geburt dabei sein können. Sie weiss, wer einspringen kann. 
  • Die Hausgeburt ist eine gute Möglichkeit, die hormonellen Reaktionen auf die Wehen mit denen zu verbinden, die zu Hause natürlich entstehen. 
  • Als Paar könnt ihr frei entscheiden, wo in eurem Zuhause, ihr euer Baby in der Welt willkommen heissen möchtet. 

Ein offensichtlicher Vorteil ist die Tatsache, dass du am gleichen Ort gebären kannst und nicht darüber nachdenken musst, welche äusseren Einflussfaktoren dich beeinflussen könnten. Weitere Vorteile sind, dass: 

  • Du keine Kinderbetreuung für ältere Geschwister brauchst (wenn du sie bei dir haben möchtest), 
  • Du eine Geburt mit einer Hebamme erlebst, die du sehr schätzt und die sich wirklich um dich kümmert, und 
  • Du direkt nach der Geburt und in den kommenden Tagen/Wochen in deinem eigenen Zuhause sein kannst. Dort erwartet dich viel Ruhe, wenn du sie brauchst, ohne durch andere Neugeborene, Familien oder Pflegepersonal gestört zu werden. 

Allerdings gibt es werdende Mamas, für die eine Hausgeburt keine attraktive Option ist. Einige haben das Gefühl, dass sich eine Hausgeburt nicht sicher genug anfühlt und machen sich zu viele Sorgen über einen möglichen Transfer. Andere ziehen es vor, lieber alle Möglichkeiten der Schmerzlinderung in der Nähe zu haben. Dir steht es frei, eine Hausgeburt zu planen und dich dann im Laufe des Tages für das Krankenhaus zu entscheiden, wenn du dir nicht sicher bist. Viele private Hebammen sind gerne bereit, die verschiedenen Optionen und die Sicherheit einer Hausgeburt zu besprechen. Für Frauen, die ihr zweites oder drittes Kinder bekommen, sind Hausgeburten statistisch gesehen eine sehr sichere Option.

Nachdem du deine Entscheidung getroffen hast, gilt es nun, folgende Einflüsse zu berücksichtigen:

1. Wer soll bei der Geburt anwesend sein?

Je nachdem, ob du dich für eine Spital- bzw. Krankenhausgeburt, ein Geburtszentrum oder eine Hausgeburt entscheidest, werden die Anwesenden sehr unterschiedlich sein. Bei einer Hausgeburt entscheiden sich Frauen für eine private Hebamme, die sie im Voraus kennengelernt haben und die (höchstwahrscheinlich) bei der Geburt anwesend sein wird. Wenn du dich für ein Geburtszentrum entscheidest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du die Hebamme schon einmal gesehen hast (ist aber nicht selbstverständlich!). Sollte die Entscheidung auf das Krankenhaus fallen, dann wird dich eine Hebamme begleiten, die zum Zeitpunkt deiner Aufnahme im Dienst ist. Auch kannst du dich für eine andere Umgebung deiner Wahl entscheiden, doch sollte dir hierbei eine private Hebamme beistehen. Viele Krankenhäuser bieten einen privaten Hebammendienst an. Die Informationen dazu findest du auf der Website des Spitals/ Krankenhauses oder auf den Websites der privaten Hebammen. Die wichtigste Begleitung für dich ist wahrscheinlich dein Partner, deine Partnerin oder eine dir nahestehende Person. Wie diese Personen, dich bei der Geburt unterstützen können, erfährst du hier. 

2. Welche Art von Geburt stellst du dir vor?

Was ist für dich während der Geburt wichtig? Ist es der Trost und die Hilfe einer Person oder das Gefühl, von einem Kreis von Hebammen gehalten und umsorgt zu werden? Ist es ein Geburtsbecken oder der Komfort eines eigenen Bettes direkt nach der Geburt? Denke daran – Es ist immer deine Entscheidung! Diese Vorstellungen oder Visualisierungen können oft im Gespräch mit deinem Partner/deiner Partnerin oder einer dir nahestehenden Person herausgefunden werden. Manchmal dauert es länger, bis es dir klar wird.

3. Wie wichtig ist es dir, dass dein(e) Partner*in über Nacht bleibt?

Es versteht sich von selbst, dass ihr durch die Hausgeburt sofort und ohne grosse Unterbrechung, direkt nach der Geburt, eine Familie sein könnt. Dasselbe gilt für die meisten Geburtszentren, die es der/dem PartnerIn ermöglicht, nach der Geburt bei Mutter und Kind zu bleiben. In einem Spital (vorausgesetzt, du bist nicht privat oder halbprivat versichert) können Geburtspartner*innen jedoch nicht über Nacht bleiben, da du mit 2–3 anderen Müttern und Babys in ein Mehrbettzimmer verlegt wirst. Unabhängig davon, wann die Geburt stattfindet, kann dieser Faktor für einige Mütter sehr belastend sein. Viele Krankenhäuser bieten die Möglichkeit an, auf ein Privatzimmer umzusteigen – allerdings mit Kostenfolge! Wenn die Geburt unkompliziert verlief und das Baby nicht überwacht werden muss, kann die Entscheidung für eine Spital- bzw. Krankenhausgeburt und die Abreise nach den ersten Kontrolluntersuchungen ebenfalls eine sinnvolle Option sein, auf die du dich jedoch nicht voll und ganz verlassen kannst.

4. Gestalte einen gemütlichen Raum 

Nachdem deine Entscheidung gefallen ist, solltest du darüber nachdenken, wie du deine Umgebung gestalten willst. Du kannst jeden Raum gemütlich und komfortabel ausstatten, indem du ein paar Dinge änderst. Nehmen wir an, du hast dich für eine Geburt in einem Spital / Krankenhaus entschieden. Geburtenabteilungen fühlen sich oft weniger «krankenhausartig» an als andere Abteilungen, dennoch sind die Räume in oftmals nicht vollständig schalldicht sind (Hallo, liebe Nachbarinnen mit Wehen) und in der Regel mit CTG-Überwachungsgeräten, Wandadaptern für Gas und Luft, Panikknopf, usw. ausgestattet. Hier gilt es, sich den Raum “eigen zu machen” (psst… eine grossartige Aufgabe für deinen Geburtspartner*in!). Packe dafür eine kleine Geburtstasche mit Dingen, die dir wichtig sind und die du brauchst. Vielleicht möchtest du auch…

  • die Vorhänge/Jalousien schliessen,
  • das Licht dimmen oder ein paar Lichterketten aufhängen,
  • den Raum mit einem angenehmen Duft besprühen, 
  • ein paar Bilder von deinen Lieben oder Haustieren aufstellen,
  • Dein Lieblingskissen, deine Lieblingsdecke sowie kuschelige Socken einpacken, oder deine eigene Musik abspielen.
  • Verlasse dich bitte nicht auf das Spital- bzw. Krankenhausessen – es wird dich nur enttäuschen. Koche stattdessen im Voraus etwas, das du auf dem Weg ins Krankenhaus auftauen kannst, oder lass dir vorher einige deiner Lieblingssnacks in die Tasche packen. 
  • Generell gilt: Denke an deine fünf Sinne und versuche, für jeden etwas parat zu haben.

5. Triff Dich mit deiner BetreuerIn

Unabhängig davon, ob du eine Krankenhausgeburt geplant hast, ins Geburtszentrum gehst oder zu Hause gebären wirst – du solltest immer die Möglichkeit haben, deine Präferenzen mit deiner/m BetreuerIn zu besprechen. Von Fall zu Fall kann es passieren, dass du das nicht mit deiner Hebamme machen kannst, die bei der Geburt anwesend sein wird. Wenn das aber für dich wichtig ist, dann solltest du dir eine private Hebamme oder Doula suchen.

Fazit

Wie du siehst, birgt die Entscheidung über den Geburtsort eine Reihe an anderen Faktoren, die es zu berücksichtigen gibt. Du solltest dich in jedem Fall mit deinem Geburtspartner und/oder Doula zusammensetzen und besprechen, was für dich wirklich wichtig ist. Wer bist du? Was ist dir wichtig, wann und wie fühlst du dich am ruhigsten, und welche Faktoren können dazu führen, dass du dich unbehaglich und gestresst fühlst? Zögere nicht, dich zu erkundigen – auch wenn es ein paar zusätzliche Telefonate oder Fragen an Informationsabenden bedeutet. Das Durchlaufen der verschiedenen Phasen dieses Entscheidungsprozesses ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer selbstbestimmten, positiven Geburtserfahrung.

Bist du an einer positiven Geburt interessiert – ohne Angst, Schmerz und Sorgen? Wir haben verschiedene Kursoptionen entwickelt.

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